Orthopädie und orthopädische Chirurgie

Unsere orthopädische Abteilung befasst sich mit der Rekonstruktion von Folgen älterer Verletzungen und der Behandlung von Gelenkverschleiß (Arthrose) von Hüftgelenk, Kniegelenk und Schultergelenk.

Jährlich werden in der Beckerklinik ca. 250 künstliche Gelenke implantiert. Die Anforderungen an ein Endoprothetikzentrum nach der Maßgabe des Endocert werden hierbei angewendet. Dies bedeutet, dass bei jedem Gelenkersatz ein so genannter Hauptoperateur mit mindestens 50 gelenkersetzenden Operationen jährlich anwesend ist.

Wechseloperationen bei vorhandenen künstlichen Gelenken am Kniegelenk und Hüftgelenk werden regelhaft durchgeführt. Hierzu stehen uns sämtliche notwendigen Implantate zur Verfügung.

Alle unsere Hauptoperateure sind sehr erfahren und auf diese Eingriffe spezialisiert.

Des Weiteren werden in der Beckerklinik jährlich ca. 200 Gelenkspiegelungen der Schulter und ca. 160 Spiegelungen des Kniegelenks durchgeführt. Davon sind ca. 60 Kreuzbandersatzoperationen und Implatationen eines künstlichen Meniskus oder Knorpelzellentransplantationen.

 

  • Gelenkersatz (Endoprothetik)

    Ein Gelenkersatz wird nötig, wenn bereits schwere, fortgeschrittene Verschleißerscheinungen im Gelenk vorliegen. Sie verursachen Schmerzen oder andere Beschwerden, wie zum Beispiel die Einschränkung der Beweglichkeit. Arthrose, der Veschleiß eines Gelenks durch krankhafte Knorpelrückbildung (Degeneration), ist die häufigste Gelenkerkrankung. Am meisten ist das Knie betroffen, dann das Hüftgelenk.

    Unsere Spezialisten für die Endoprothetik sind Jörg Becker, Ralph Nitsche.
    Beide sind Hauptoperateure im Sinn des EndoCert und auf diese Eingriffe spezialisiert.

    Endoprothesensprechstunde

    Sollte bei Ihnen eine Arthrose festgestellt worden sein, raten wir Ihnen sich zunächst mit Ihren Unterlagen in unserer Endoprothesensprechstunde vorzustellen. Hier werden Sie untersucht und ausführlich beraten. Nicht vorhandene Röntgenbilder können in unserer modernen volldigitalen Röntgenabteilung bei Bedarf angefertigt werden.
    Sollte die Implantation einer Prothese nötig sein, kann hier direkt mit den Vorbereitungen begonnen werden.

    Hüftgelenkarthrose

    Die Implantation der Hüftprothese ist ein in unserem Haus häufig durchgeführter Eingriff. Die besonderen Umstände jedes Patienten und die Vielfalt der verfügbaren Materialien, Prothesentypen und Befestigungstechniken erfordern viel Erfahrung vom Operateur. Ziel der Prothesenplanung ist eine dauerhafte Hüftprothese, die den spezifischen Belastungen des Patienten gewachsen ist.
    Uns ist es möglich, nach den individuellen Bedürfnissen aus einer großen Palette von Möglichkeiten den Eingriff zu planen. Eine Prothese kann zementfrei oder zementiert implantiert werden. Alle gängigen und bewährten Gleitpaarungen wie Keramik oder moderne Polyethylene stehen uns hierbei zur Verfügung. In den meisten Fällen wird die Prothese in der sogenannten minimalinvasiven Technik eingebaut, wodurch in den ersten 2 bis 4 Wochen eine etwas schnellere Mobilisation erreicht wird, da hierbei keine Muskulatur oder Sehnen/Bänder abgelöst werden.
    Jeder Gelenkersatz wird vor der Operation mittels einer Software digital geplant. Bei jeder Operation versuchen wir soviel Knochen wie möglich zu erhalten, um bei einem zukünftigen Prothesenwechsel auf ausreichend Substanz zurückgreifen zu können.

    Kniegelenkarthrose

    Eine Knieendoprothese ist ein „künstliches Kniegelenk“, das die Gelenkfläche durch ein Metall- oder Kunststoff-Inlay ersetzt.
    In der Beckerklinik stehen Prothesen-Systeme namhafter Hersteller zur Verfügung. So kann stadiengerecht auf den Patienten abgestimmt die passende Prothese implantiert werden. Das Spektrum reicht vom so genannten Monoschlitten (falls nur ein Gelenkspalt betroffen ist) über den gängigen vollständigen Oberflächenersatz bis zur gekoppelten Prothese.
    Wir verwenden fast ausschließlich so genannte Oberflächenersatzprothesen, bei denen die Gelenkflächen an Ober- und Unterschenkel knochensparend ersetzt werden. Die Komponenten sind dabei mechanisch nicht miteinander verbunden. Eine gekoppelte Prothese ist Sonderfällen und dem Wechsel von Knieprothesen vorbehalten.
    Jeder Gelenkersatz wird vor der Operation mittels einer Software digital geplant. Bei jeder Operation versuchen wir soviel Knochen wie möglich zu erhalten, um bei einem zukünftigen Prothesenwechsel auf ausreichend Substanz zurückgreifen zu können.

    Wechseloperationen

    Ziel eines Gelenkersatzes ist immer die Wiedererlangung der schmerzfreien Funktion und Belastbarkeit des Gelenkes bei langer Haltbarkeit der Prothese. Sollte es nach einem Zeitraum von mehreren Jahren zu einer Lockerung oder einem Prothesenversagen kommen, besteht die Möglichkeit mit speziellen Wechselprothesen eine Austauschoperation durchzuführen.
    Hierzu stehen uns verschiedene Prothesenmodelle zur Verfügung.
    Jeder Gelenkersatz wird vor der Operation mittels einer speziellen Software digital geplant.

    Nachbehandlung

    Um rasch eine schmerzfreie, volle Belastbarkeit des operiereten Gelenks zu erreichen, ist es erforderlich, dass gleich nach dem Eingriff eine intensive Physiotherapie eingeleitet wird. Sie beginnt direkt am Tag nach der Operation und wird nach der stationären Behandlung in unserer Klinik in einer Rehabilitationsklinik fortgeführt. Diese Rehabilitation ist auch ambulant möglich. Wir arbeiten mit allen qualifizierten Rehabilitationskliniken am Ort eng zusammen und besprechen und organisieren die Weiterbehandlung.

  • Gelenkspiegelungen (Arthroskopie)

    Um einen Gelenkersatz möglichst lange hinauszuzögern oder gar zu vermeiden, sollten frühzeitig erkannte Knorpelschäden oder Bandverletzungen behoben werden. Das passiert in der Regel durch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) über kleinste Operationsschnitte. Die Gelenkspiegelung ist grundsätzlich an allen Gelenken möglich. Am weitesten verbreitet ist der Eingriff am Kniegelenk.

    Spiegelung des Kniegelenks

    Unser Spezialist: Frank Becker

    Der Meniskus erfüllt viele wichtige Aufgaben im Knie. Er funktioniert als „Puffer“ zwischen den Gleitflächen von Ober- und Unterschenkel, verteilt die Gesamtlast im Knie und sorgt für die „Gelenkschmierung“, Schockabsorption und vor allem Stabilität. Wenn diese Funktionen nicht mehr erfüllt werden, kann sich eine Kniearthrose entwickeln.

    Meniskusverletzungen können traumatisch (Folge eines Unfalls) oder degenerativ (Folge von Abnutzung) sein, müssen jedoch fast immer operativ behandelt werden. Durch eine möglichst zeitnahe Versorgung können Folgeschäden an den Knorpelflächen verhindert werden. Hier ist es mit dem schonenden Verfahren der Athroskopie möglich, die notwendige Operation in der Regel ambulant durch zu führen.

    Bei verschleißbedingten Veränderungen muss in der Regel eine Teilentfernung durchgeführt werden.

    Bei seltener auftretenden frischen Rissen ist meist eine Naht (Refixation) möglich.

    Ersatz des Meniskus

    Unser Spezialist: Dr. Alexander Ernst

    Partielle Verletzungen und Schäden an Innen- und Außenmeniskus werden vor allem mit synthetischem Meniskusgewebe ausgeglichen. Das neu entwickelte, schwammartige Material ist durch seine poröse Struktur besonders gut zum Einwachsen geeignet. In seine dicht vernetzte Porenstruktur wachsen Blutgefäße ein, um die neues körpereigenes Gewebe gebildet wird. Sobald das neu entstandene natürliche Gewebe seine Funktion aufnimmt, wird das Implantat aufgelöst und vom Körper abgebaut.

    Der Eingriff erfolgt minimal invasiv, das heißt durch einen kleinsten Hautschnitt und unter maximaler Erhaltung des gesunden Gewebes.

    Ersatz des vorderen Kreuzbands

    Unsere Spezialisten: Frank Becker und Dr. Alexander Ernst

    40 % aller Knieverletzungen sind Bandverletzungen. Zu über 60 % sind die Kreuzbänder betroffen. Ein Kreuzbandriss ist meist eine Sportverletzung. In der Regel ist das vordere Kreuzband betroffen. Es wird unterschieden zwischen: kompletter Ruptur des Kreuzbandes, Teilruptur des Kreuzbandes sowie Ruptur durch Ausriss an der knöchernen Verankerung des Kreuzbandes.

    Bei Rupturen der Außen- oder Innenbänder des Kniegelenks kann normalerweise ein spontanes Zusammenwachsen durch Ruhigstellung gefördert werden. Diese Selbstheilung ist aber bei dem vorderen oder hinteren Kreuzband nicht der Fall. Je jünger und aktiver der Patient, umso eher ist die operative Wiederherstellung der Kreuzbandfunktion angezeigt.

    Die Kreuzbandrekonstruktion kann den ursprünglichen Zustand des Knies nicht ganz wiederherstellen. Das natürliche Kreuzband enthält Dehnungs- und Lagesensoren, die dem Gehirn Position und Spannungszustand mitteilen und so die Bewegungskoordination unterstützen. Diese Rezeptoren sind in einem Kreuzbandtransplantat nicht enthalten. Daher geht diese sensorische Funktion nach Kreuzbandriss verloren. Lediglich die mechanische Stabilität wird verbessert.

    Die beste Voraussetzung für diese Operation ist ein reizloses, abgeschwollenes Kniegelenk. Bei akuter Verletzung wird das Kreuzband daher auch nicht sofort operiert. Hier wird der Einsatz von Physiotherapie wichtig, um das Knie zu stabilisieren und die Muskulatur zu verbessern.

    Knorpelersatz und Knorpeltransplantion am Knie

    Unser Spezialisten: Frank Becker und Dr. Alexander Ernst

    Knorpelschäden werden durch vielfältige Ursachen hervorgerufen. Sie führen früher oder später zu Arthrose und  Knieschmerzen sowie zu fortschreitendem Gelenkverschleiß. Knorpeldefekte heilen nicht von selbst aus, denn der Körper ist nicht in der Lage, den Knorpel nachwachsen zu lassen.

    Bei der Knorpeltransplantation oder auch Knorpelzell- oder Chondrozyten-Transplantation handelt es sich um ein neuartiges Operationsverfahren, das Knorpelschäden mit Hilfe von körpereigenen Knorpelzellen repariert. Es wird von wenigen ausgesuchten Spezialisten in Deutschland erfolgreich durchgeführt.

    Nachdem bei einer ersten Kniespiegelung Knorpelzellen aus dem einem nicht belasteten Areal des Gelenkes entnommen wurden, werden die Zellen in ein Speziallabor gesandt, wo sie in einem Spezialverfahren im Reagenzglas durch natürliche Zell-Teilung vermehrt werden.

    Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Knorpeltransplantation ist ein stabiles Gelenk, eine normale Gelenkachse und das Fehlen freier Gelenkkörper, welche das Transplantat gefährden könnten.

    Schultergelenk

    Auch am Schultergelenk können viele Krankheitsbilder arthroskopisch (minimalinvasiv) behandelt werden. Die häufigsten arthroskopisch behandelten Erkrankungen der Schulter sind Schäden der Rotatorenmanschette (die den Oberarmkopf umgreifenden Muskeln und Sehnen) in Folge von Unfällen oder Verschleiß, das Impingementsyndrom der Schulter (Enge zwischen Schulterdach und Oberarmkopf), Arthrose des Schultereckgelenkes (Gelenk zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt), wiederkehrende Schulter-Luxationen (Auskugelungen) und die Kalkschulter (schmerzhafte Kalkeinlagerung in der Rotatorenmanschette).

  • Korrektur von Fehlstellungen am Fuß

    Hallux valgus

    Beim so genannten Ballenzeh (Hallux valgus) handelt es sich um eine Stellungsänderung des 1. Mittelfußstrahles nach innen und eine daraus resultierende Abweichung der Großzehe nach außen, welche hauptsächlich bei Frauen auftritt. Angeborene abnorme Gelenkstellungen sind ebenso verantwortlich wie eventuell falsches Schuhwerk oder Fehlbildungen des Fußes. Mit dem Hallux valgus gemeinsam treten häufig Veränderungen an den übrigen Zehen auf (Hammerzehen und Krallenzehen).
    Im Anfangsstadium können konservative Maßnahmen wie Einlagenversorgung und Fußgymnastik ausreichend sein. Bei entsprechender Schmerzsymptomatik wird die operative Korrektur erforderlich.
    Ziel der operativen Behandlung ist die Wiederherstellung der Achse des 1. Fußstrahles unter Erhalt des Großzehengrundgelenkes, was durch Osteotomien mit Verschiebung und Achskorrektur des Mittelfußköpfchens oder einer Achskorrektur im Basisbereich des 1. Mittelfußknochens erreicht wird. Die Operationsmethode ist individuell abhängig vom Ausmaß der Fehlstellung.

     

    Hallux rigidus

    Auch beim Hallux rigidus, der Großzehengrundgelenkarthrose, kann durch Verkürzung des Knochens mit gleichzeitiger Sanierung des Gelenkes Schmerzfreiheit erzielt werden. Alternativ kommen hier auch prothetische Versorgungen oder Versteifungsoperationen zum Einsatz.